Probleme in der Forschung des Taijiquan

Eine Ergebnis-Offene Forschung wie wir sie uns im Westen vorstellen und wünschen hat es seit 1949 vermutlich nicht mehr gegeben. Vor dieser Zeit waren in China einige Forscher wie z. Bsp. Tang Hao und Xu Zhen sehr aktiv, um überlieferten Quellen und Gerüchten über den Ursprüngen zu den Kampfkünsten nachzugehen. Sie waren seinerzeit frei von politischen Interessen der Regierung, Rücksichtnahme auf Familien-Klan Interessen oder Ordothoxen ritualen der klassisch-konfuzianischen Gesellschaft. Sie arbeiteten fortschrittlich waren aber sehr stark durch nationalistisches Denken beeinflusst so wie wir es auch aus der europäischen Geschichte zw. 1900 bis 1945 her kennen.

Das Dilemma heute ist, dass sich die Regierung der VR China offensichtlich bereits auf Lösungen zu den wichtigen Fragen festgelegt hat. Aktivitäten von offiziellen Stellen sind weniger als Forschung zu betrachten, sondern deuten mehr darauf hin, dass es nur darum geht eine Erklärung zu Entwickeln wie es zu dem jeweiligen Standpunkt gekommen ist. Das Hauptmanko in der Forschung bleibt dabei generell, dass es keine richtige Beweisführung gibt.

Ein weiteres Hindernis geht mit den Familien-Klans des Taijiquan selbst einher. Von ihnen werden stets zahlreiche Bücher neu mit eigenen Aussagen veröffentlicht. Doch noch niemand hat eine der Original-Quellen wie z. Bsp. die Jia Pu – „Familien-Klan Überlieferungsregister“ oder die alten Quan Pu – „Kampfkunstregister“ gesehen. Tang Hao soll zwar in das Privileg von Abschriften gekommen sein, doch haben Fehler bei den Abschriften und die veröffentlichten Thesen nicht zur endgültigen Klarheit geführt. Damit haben auch die Klans einen Grund den Zugang Außenstehender zu unterbinden, um nicht weitere Verwirrungen auf sich zu laden. Ebenso verhält es sich mit der Zusammenarbeit zu öffentlichen Stellen. Die Klans wissen das sie sich den staatlichen Institutionen nicht widersetzen können und geben sich daher schon mal kooperativ, wenn ihre Erscheinung in der Öffentlichkeit dadurch ihrem Ansehen zugutekommen. So gibt es heute öffentliche Stellen und Klan-Ableger die ganz eindeutig zusammenarbeiten um eine Taijiquan-Industrie zu fördern und den wirtschaftlichen Nutzen für die einheimischen Regionen auszubauen.

Durch stetige und immer wieder anhaltende Wiederholungen in den Medien, durch Publikationen und Superstar Kults werden diese unbewiesenen Thesen im Laufe der Zeit zu etwas Wirklichen gemacht, weil irgendwann keiner mehr auf die Idee kommt diese Aussagen anzuzweifeln. Im chinesischen gibt es dazu ein Strategem-Sprichwort was zur Anwendung kommt. Es heißt 無中生有 Wu Zhong Sheng You – „Aus einem Nichts etwas erzeugen“.

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