Berichte | Bewegungskunst

nächste Termine:



24.10.2017  Tai Ji Quan - 19:00 Uhr Gebhardtstraße 5, Fürth

25.10.2017  Tai Ji Quan - 19:45 Uhr Parkstr.28, Nürnberg

31.10.2017  Tai Ji Quan - 19:00 Uhr Gebhardtstraße 5, Fürth

01.11.2017  Tai Ji Quan - 19:45 Uhr Parkstr.28, Nürnberg


Event Berichte:


 
 

Taiji Herbstcamp 2016 – in Ravensburg

 

In diesem Jahr traffen sich internationale Taijiquan Begeisterte wieder zum Hebstcamp vom 29.09. –  03.10.2016 in Ravensburg. Nach der Devise „all the day a apple“ konnten wir uns auch wieder an den kleinen Dingen am Rande erfreuen, wozu der lokale gesponsorte Bodenseeapfel mittlerweile für die Trainingspausen als Energiepusher dazugehört.

Er der Apfel und wir starteten also gemeinsam am Morgen mit einer Übungseinheit in der Dietmar Stubenbaum eine besondere Form von Gelenk-Qigong einführte die sich nach kurzer Zeit an großer Beliebtheit erfreute. Anschließend gab es die tägliche Einteilung in zwei Schwerpunktgruppen.

 Anemarie Leippert: Unterrichtete in präziser Art das Sizheng Taijiquan, die kurze Bewegungsfolge für Einsteiger und Teilnehmer mit Taiji – Vorerfahrungen, welche uns von Meister Chen Peishan in die Hand gegeben wurde. Ergänzend baute sich darauf die Sizheng Schwertform auf. Für alle welche das Taiji noch nicht so lange üben ein wahrer Segen, denn in der Schrittfolge greift der Ablauf direkt auf die Waffenlose Sizheng Form zurück. Dabei wird an den zuvor erlernten Basisprinzipien festgehalten und die Übertragung in die Körperstruktur mit Schwert geübt. Je besser also schon die erste Kurzform beherrscht wird um so mehr profitiert man auch in der Schwert Form davon. Mit diesen Grundlagen ausgestattet ist man in der Lage einen guten Start in die traditionelle Schwertform des Chen Klan zu meistern und auch bei komplexeren Bewegungen in ihrer kontinuität erfolgreich fortzufahren.

Die zweite Gruppe besuchten Teilnehmer welche meist schon drei Jahre oder länger in der Übungspraxis des Taijiquan zuhause sind. Meister Dietmar Stubenbaum: splitete in diesem Jahr die Trainingseinheiten so dass am Vormittag die traditionelle Hauptform der Familie Chen „Yi Lu“ genau analysiert wurde. Alle kammen dabei in ihrer Detailarbeit auf ihre Kosten. In den Figuren sollte sich eine durchgängige Körperverbindung zeigen, welche im Ablauf möglichst ohne Unterbrechungen aufrecht gehalten wird. Bei einigen Bildern wurde der Test mit Partner  durchgeführt, um Unstimmigkeiten aufzudecken. Die verbesserten Erfahrungswerte flossen anschließend in die aus der Bewegung laufenden Tuishou Übungen mit ein. Dabei haben es einige auch schon mal ordentlich auf den Matten krachen lassen. Obwohl es zu Anfang bei einigen Vorbehalte für diese etwas heftig wirkenden Übungen mit Qin Na Hebeln, Pushs und Würfen gegeben hat konnten alle die Anweisungen unseres Lehrers verstehen. Daher hielten wir uns an die folgenden Vorgaben:

 











Ängste ablegen

Man passt beim Üben aufeinander auf

Falsche Spannung Aufgeben, um innere Kraft zu verstehen

Wir studieren das Prinzip von Yin und Yang gemeinsam

( plus meine Vorgabe: iß einen Apfel wenn es nicht geht und probiere es erneut )

Der Nachmittag wurde für fortgeschrittene Teilnehmer zum erlernen der Hellebarde Form genutzt. Jeder benötige eine hohe Konzentrationsfähigkeit um sich mit den vielen Drehungen, Sprüngen und Richtungswechseln anzufreunden. Üben der Hellebarde entwickelt darüber hinaus die physische Fittnes und sensibilisiert den Orientierungssinn. Von unserem Lehrer wurde auch das Thema geeignete Übungswaffen angesprochen. Einige waren dann doch erstaunt dass es quasi nicht möglich ist eine geeignete Hellebarde kaufen zu können. Selbst bei einer gut gewichteten und sicher gebauten Hellebarde müssen durch die entsprechende Körpergröße jedes einzelnen Modifikationen vorgenommen werden. Die gute Nachricht dazu lautet dass dieses Thema in der „Gesellschaft zur Erforschung und Praxis des Kleinen Rahmen Chen Clan Taijiquan e.V.“ bereits von einer Arbeitsgruppe vorangetrieben wird und in kürze mit einem ersten Prototypen gerechnet werden kann. Dieser dient dann als Grundlage für eine personifizierte Reproduktion. Eine solide Hellebarde mit der sich die Disziplin artgerecht trainieren und entwickeln lässt ohne den Körperverschleiß zu forcieren, wie es bei den modernen Wushu-Waffen im Handel der Fall ist.

Am Rande gab es von K. am Freitagabend einen Vortrag über Japan, welcher von vielen Campteilnehmern ersehnt und mit freude besucht wurde. Letztendlich war es eine anziehende Einstimmung auf das bevorstehende ISCT Treffen in Japan mit Meister Chen Pei Shan das im Sommer 2018 stattfinden wird.

Am Sonntagabend gab es wie in den vergangenen Jahren einen offenen Vortrag von Dr. J. Braun zum Thema „Grundlagen und Basistexte Chinesischer Philosophie“. Hier konnten sich die Besucher nicht nur über lesenswerte chinesische Begleitliteratur kundig machen, sondern auch einen Bezug zum Studium der inneren Kampfkünste erfahren. Fachtermini wie der Begriff „Taiji“ können aus der Perspektive der Literatur, der Philosophie oder Kampfkunst beleuchtet werden. Dies hat uns den universellen und flexiblen Geist der chinesischen Gelehrtenwelt aufgehellt. Insbesondere sind wir Dr. Braun für das übersichtliche Handout mit Literaturempfehlungen sehr Dankbar. Meiner Meinung nach sollten den Vorankündigungen der Vorträge dieser Art wieder mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden. In den vergangenen Jahren waren die Besucher viel weitreichender. Das wurde in diesem Jahr leider versäumt und einige Karateka aus dem KJC Ravensburg wären gerne dabei gewesen als ich ihnen im Nachhinein davon erzählt habe.

Bis dahin bedanke ich mich bei unseren Lehrern, den Organisatoren der Vorträge und für das exotisch, Spanische Abendbuffet, und spreche damit sicherlich im Namen aller Herbstcamp Teilnehmer.

Ich freue mich auf das nächstes Jahr.

/ J. Weinbrecht

 

Spring Workshop 2016

 
 

 

I have attended Dietmar Stubenbaums workshop in Nurnberg last weekend. For me the workshops always bring new directions for the next weeks training. Dietmar is very skillful in making the workshops interesting for students with different levels of experiences. In our approach to practice of Taijiquan we focus in details on the basics – the stance, basic stepping, elementary movements of Chan Si Gong – „silk reeling exercise“ with stress on extension and roundness. The roundness of the hand movement and correct hand rotation along the axis are important step in developing the Nei Jing and internal connection. Without this it makes no sense to try to develop the Dan Tian, or play with Fa Jin.

I have to work much on my upper body relaxation and on the correct position of the pelvis, correct sitting in the standing positions. Sitting most of my days in front of computer screens with hands on the keyboard and mouse has great impact on my spine and body muscle stereotypes. Dietmar explained how to use abdominal breathing to relax the upper body. The upper body must be soft and relaxed, but this requires firm stance.

Dietmar explained the Xiao Jia approach to basic stance, Ma Bu – roundness in pelvis –  Yuan Dang – hanging the lower back, closing of the front circle in legs and keeping feet parallel. I liked Dietmars simile where he said that the leg position is like the arc in the architecture; its strong, can keep a lot of pressure and gives a lot of flexibility and softness to upper part of the body. The contrast of stance firmness and upper body relaxation, softness, Dietmar accompanied by explanations about the yin-yang theory in the Taijiquan context. He also used the images from the Chen Xin’s book, using the newly published German translation.

We also did a lot of stepping with different focus, trying to get the knee high, keeping the position close, soaking and pushing the foots, like in a cat walk, as is said in Xiao Jia. And we tried to develop stronger muscles in the thighs. To the surprise of the beginners, people sweat in Taijiquan training, especially if we fight with ourselves in the lower stances.

/M. Marek

 

Sintaclaas – Tai Chi Workshop 2015

 



I am a beginner in taijiquan from Prague. A friend recommended me to come to this seminar to Nuernberg. I liked Dietmars teaching method, his clear explanations and presentations of basic taijiquan principles. I must say I was really surprised to learn that the power used and trained in taijiquan is not coming from the muscles but from the  tendons and sinews. In partner exercises I realized how the power from one person is transported to the other. I was not sure if one day seminar can help me to understand taijiquan better.

Now I feel I know where I should put my focus and how to actually start to learn taijiquan. I like the approach based on developing first the understanding of the basic principles, the repeated practice of the elementary movements in basic positions and stances. This builds good basics for the learning of individual images in the forms later.

/K. Kamila

 





The Tai Chi seminar with Dietmar took place the whole day bringing a diverse group of people together. We learned about basic techniques, and how they are the essential foundations for any serious and sustainable practice. This built up knowledge and understanding through in-depth explanations and iteratively practice. In doing this, we could grasp that the techniques that seem simple can be very challenging and advanced indeed. It felt like gaining an understanding from several perspectives, while working through various practices in several exercises, alone, in synchrony, and with partner steps called “Tui Yi Bu“.


To conclude, what we could take home with us were for example:

– what lies behind Tai Chi practice and what principles it is built upon

– a memory of correct positioning

– correct alignment of movements

– synchronizing and correctly timing twisting and turning of arms

– re-learning natural movements, and walking exercises as in them ultimately lies more efficiency and stability

– coordination of body parts

– the interconnectedness of anatomical reality both static and dynamic

– different human muscular systems and for what they are naturally to be used


Im sure it’s hard for Sintaclaas (Holland) to make me happy today. But I let him know a
little of them we have learned. Hopefully it will be an inspiration for giving a wonderful present to somebody next year!

/V. van Zyl-Bulitta






 

ISCT Festival 2015

 

 

Saarbrücken:   Taijiquan ist auch Völkerverständigung

 

Das internationale Taijiquan – Festival der ISCT (International Society of Chen Taijiquan) findet alle zwei Jahre an einem anderen Ort auf der Welt statt. Es wandert und ermöglicht allen die sich weite Reisen nicht leisten können dennoch an diesem Ereignis der Völkerverständigung einmal teilnehmen zu können. Nach langem Warten konnten wir nun das Ereignis ab dem 24. April 2015 bei uns in Deutschland erleben.

Im weitesten Sinne agierte hier das Saarländisch als Amtssprache, denn der Veranstaltungsort lag in Saarbrücken. Fortlaufend standen zahlreiche Nebensprachen wie Deutsch, Englisch, Japanisch, Chinesisch, Koreanisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Tschechisch, Slowakisch, sowie Fränkisch zur Verfügung um sich bemerkbar zu machen und mit Hilfe des gemeinsamen Taijiquan – Training zu verständigen.

Kurzum war auch das Saarländische Fernsehen zu Gast und berichtete über das gemeinsame Training mit Grossmeister Chen Peishan.

SR Fernsehbeitrag

 

 


Das 6 Tage-Event fand auf dem Olympiastützpunkt der Hermann Neuberger Sportschule statt wo sich die rund 160 Gäste an einem Ort mit Sporthallen, Unterkünften und Mensa gut versorgt fühlten. Neben den Workshops mit Meister Chen Peishan nutzten viele Besucher Sightseeing-Touren die nach Luxembourg und Strassburg führten. Herr Yoshida aus Japan erfreute sich bei den Kindern als auch Erwachsenen großer Beliebtheit. Er ist etwas mehr als ein Manga-Künstler. Ständig zeichnet er auf seinen Notizblock alle Eindrücke nieder die ihm seine Reiseeindrücke liefern. So erhielten wir am letzten Tag einen vollgezeichneten Notizblock und alle waren ganz neugierig darauf sich wieder zu entdecken.


Für interessierte Gäste gab es am Samstagabend einen offenen Demo-Abend. Viele Saarbrücker erfreuten sich hier an Gruppen- und Einzel-Vorführungen die weit über das hinausgingen was man sonst von Taijiquan erwartet. Als bemerkenswert trat Herr Yoshida aus Japan mit über 80 Jahren hervor. Seine verbundenen Kraft-Ausstöße haben uns jüngere in Ehrfurcht versinken lassen. Weitere Höhepunkte bildeten die Vorführungen am Ende. Dietmar Stubenbaum durchdrang mit seiner unglaublichen Präsenz die Anwesenden bis ins Mark. Grossmeister Chen Peishan demonstrierte neben dem Schwert- auch eine alte Form mit Doppel-Keule, welche heute in den meisten Taijiquan – Überlieferungen nicht mehr anzutreffen ist.



 

 

Hier auf dem Olympiastützpunkt wird es in diesem Jahr vom 06.-07. Juni 2015 einen Workshop mit Dietmar Stubenbaum geben der für alle Interessierte und Neugierige offen ist. Weiter Informationen finden sich unter

 Die Pagode

 

 

 

 

 

 


Hier einige Medienbeiträge rund um Taijiquan in der Schule.

SR Hörfunk

SR Fernsehen:  ab Minute 27

 

/J.Weinbrecht

 

Nikolaus – Tai Chi Seminar 2014

 
mit Dietmar Stubenbaum am 6. Dezember 2014 in Nürnberg
 

Wir – mein Mann und ich – haben beschlossen, beweglich zu bleiben. Oder sollten wir ehrlicher sagen, beweglich zu werden?! Am Nikolaustag, dem Tag des Schutzpatrons der Schüler und Studenten, begeben wir uns selbst in die Schülerrolle,  um in den Räumen des Instituts für Bewegungskunst in Nürnberg den Worten des beeindruckenden Tai Chi Lehrers Dietmar Stubenbaum nicht nur zu lauschen, sondern sie begierig in unsere Körpersprache zu Leben zu erwecken. Wie der Institutsname bereits verrät: hier ist nichts profanes körperliches Tun. Kein Stretching, kein Dehnen, kein sporteln, kein bloßes Training mit achtlos dahin geworfenen Bewegungen, die losgelöst von Geist und Seele ausgeführt werden. Nein – wir reden von Kunst. Zur Erinnerung: Kunst bezeichnet im weitesten Sinne jene entwickelte Tätigkeit des Menschen, die auf Wissen, Übung, Vorstellung, Wahrnehmung und Intuition gegründet ist.

Wissen – Dietmar legt in seinen Lehreinheiten viel Wert darauf, uns Hintergründe zu den einzelnen Bewegungsabläufen zu lehren. „Es ist wichtig, dass Ihr beim Üben wisst, in welche Richtung Ihr übt. Ihr müsst die Theorie kennen. Sonst nivelliert Ihr Euch beim Üben immer weiter nach unten und es besteht die Gefahr, dass Ihr zehn Jahre übt, eine tolle Choreographie hinbekommt, aber faktisch kein bisschen beweglich geworden seid.“ Uuups, bloße Performance und Choreographie für das Auge – nein, das ist nicht unser Ziel. Und á propos zehn Jahre üben:

Ohne Übung geht es natürlich nicht; wer seine Gelenke in die Beweglichkeit erziehen möchte, muss üben, üben, üben. Je regelmäßiger und konsequenter, je beharrlicher, je genauer und aufmerksamer – desto feiner das Resultat. Und das verspricht – wenn nicht unvorhergesehene Schicksalsschläge dazwischen kommen – hohe Beweglichkeit bis ins Alter. Ach ja, wirkliches Üben ist anstrengend und kann schon mal bedeuten, dass körperliche Grenzen nur in kleinen Schritten erweitert werden. Tiefe Entspannungs- und Lösezustände im Körper zu erreichen, bedarf bisweilen der Anstrengung. Das scheint zunächst, ist aber nicht paradox. Mehr Freiheitsgrade in der Beweglichkeit erlangen, nennt Dietmar das auch.

Körperliche Grenzen werden allerdings nur dann tatsächlich erweitert, wenn der Geist dabei ist – hier kommt unsere Vorstellung ins Spiel. Den Kreis der Hände mit unserem inneren Auge mit zu begleiten oder die Übertragung des Impuls aus dem Bein durch den ganzen Körper bis in die Fingerspitzen vorzustellen, hilft, die Bewegungsabläufe geschmeidig und rund zu machen. Unsere Vorstellung als nächstes als Begrenzer des Körpers zu erkennen, ist ein weiterer Aspekt des Zusammenspiels von Körper und Geist, den wir heute kennenlernen durften. „Ist der Schmerz zu stark, ist Dein Geist zu schwach“, mag ein Satz sein, der aus dem Zusammenhang gerissen, an die Werbung für das Pfefferminzbonbon erinnert oder vielleicht auch einfach nur sehr martialisch klingt. Tai Chi – ein Kampfsport für harte Männer? Nein, so ist das nicht gemeint. Ich nehme mit: die Grenzen, die mir der Körper durch Schmerz signalisiert sind manchmal einfach nur in meinem Hirn verankert. Bei der Übung den Körper im Lot Richtung Erde hinab zu lassen, um mit den Fußflächen schließlich den Boden zu berühren, aufrecht hockend, ohne dass der Po Ausgleichsbewegungen nach hinten macht oder der Oberkörper nach vorne kippt , zieht es in den Schienbeinen. Wenn ich weiß, dass es die Vorstellung ist, die mich begrenzt, die mir den Lösezustand aktuell nicht ermöglicht, kann ich versuchen, diese zu verändern; das braucht Zeit und – wie oben schon erwähnt – auch Übung…

Das bewusste Wahrnehmen und Empfinden dessen, was ist und was gerade abläuft, unterstützt ebenso unser Bemühen des Lösens oder der „Rundwerdung“ im körperlichen Ausdruck und vielleicht auch im übertragenen Sinne, verstehe ich heute.

Wir sind es meistens gar nicht gewohnt Veränderungsprozesse mit unserer Wahrnehmung intensiv zu begleiten. Es ist ein langsamer und mühsamer Weg, der sich von purer Technik (gegen die nichts einzuwenden ist) und alleiniger äußerer Form unterscheidet.

Es sei bemerkt, dass wir heute hören, dass die Mühsal eines Tages sich in Reichtum, in Bewegungsreichtum wandeln soll. Die Erschöpfung am Ende eines solchen Ganztagestrainings ist – so kann ich berichten – dann auch keine reine körperliche, sondern eine, die den gesamten Menschen ergreift und in die Entspannung und Fülle führt. Resilienz zu sein heißt auf der Aktionsebene möglichst viele Handlungsoptionen zu haben. Nichts anderes fördern wir hier an diesem Übungstag, finde ich: beweglicher zu sein, heißt sich in diese oder jene Richtung wenden und bewegen zu kennen und gerade deshalb – gleichzeitig – in jedem Augenblick im eigenen Gleichgewicht zu ruhen.

Zuletzt: „Der Zufall trifft nur einen vorbereiteten Geist“, sagte Louis Pasteur, der, so unpassend zu unserem heutigen Thema, am Ende seines Lebens bewegungslos im Rollstuhl saß. Trotzdem greife ich auf sein kristallines Zitat an dieser Stelle zurück, weil es so schön den Kreis schließt zur Intuition, die ja weiter oben im Reigen der kunstbildenden Faktoren aufgeführt wurde. Hier lernen wir sehr konkret, was Intuition ist und wie man sich ihr nähern kann: nicht durch Hoffen und Horchen, dass sie sich der Bauchmitte unvermittelt mitteilt, sondern durch eine Verknüpfung von Wissen, Erfahrungslernen, Aufmerksamkeit und Achtsamkeit, die sie dann als größeres Ganzes, hier als Bewegungsgestalt, in den Raum stellt. Tai Chi kann das Ablaufen einer Form sein, es kann aber auch Bewegungskunst sein, wenn wir es dazu in jedem Moment des Ausführens einer Bewegung machen. Das nehme ich noch als heutiges Resumée mit.

Jetzt am Nikolaus-Abend. Es war intensiv, es war lehrreich, es hat Spaß gemacht, es war anstrengend. Und: wir sind beschenkt worden wie die Kinder. Danke, Jens, für die Organisation des Tages und das Bereitstellen des Erfahrungsraumes. Danke, Dietmar, für die genauen Erklärungen, die klaren Korrekturen unserer Haltungen, das geduldige Vormachen der Bewegungen, für das Vermitteln des Gefühls, wie faszinierend es sein muss, sich wie eine Katze sanft gleitend innerhalb der eigenen körperlichen Spielräume zu bewegen… und ach ja, danke für den morgigen Muskelkater, der uns daran erinnern wird, wie schön es ist, überhaupt in Bewegung zu sein.

/ C. Hildering

 

Herbst im Hof 2014

 

   

Am 20. September hatte das Regen-Wetter unseren Hof voll im Griff. In den Räumlichkeiten war es jedoch sehr belebt, weil sich hierher auch einige vom Stadtteilfest am Fenitzerplatz ins trockene Flüchteten. Nachmittags starteten die ersten Kinder mit Aktionsreichen Torwart-Übungen und Luftballonspielen. Unsere Nachbarn versuchten wir durch Jazzige Cajon-Interpretationen zu mobilisieren. Dies gelang uns zwar nicht, aber im nächsten Jahr werden wir es auf jeden Fall erneut versuchen.

In folge gab es eine kleine Qigong – Runde mit Simone Schernig die ausgiebig von den Erwachsenen genutzt wurde. Nach einer Pause forderte Alia Bulekulov alle anwesenden auf mit ihr auf eine Pilates-Entdeckungsreise zu gehen. Diese trainierte nicht nur die Beweglichkeit und Muskulatur, sondern hat auch die eine oder andere Schweißperle zu Tage treten lassen. Dem Spaß und der Neugierde hat es gut getan, denn danach war der Appetit auf unseren Kuchen vom Café -Wohlleben und einer selbstgemachten Kürbissuppe umso ausgeprägter. Anschließend hatte es den Anschein damit unsere jüngsten etwas müde geworden wären. Eine Besucherin regte jedoch die anwesenden Kinder an ihrer Tanzleidenschaft zu folgen.

Nach einem kurzen Schubsel-Schwubsel kam unser Chef-Choreograf Rüdiger Schramm dazu. Zwei Minuten später standen fast 30 Kinder und Erwachsene hinter ihm und folgten ihm zu Michael Jackson „Thriller“. Jetzt waren alle ziemlich gut gelaunt. Nach diesem genialen Warmup gingen wir in eine Groove Walk Dance Session über. Jens Weinbrecht nutzte dafür die Blues- und Swing-Musik der 30´er Jahre. Bei steigender Geschwindigkeit hatte man die Möglichkeit sich auf die Schrittfolgen im Solo oder nach Social Dance manier im Paar einzustellen. In dem Gefühl von Schwere und Leichtigkeit machte es allen Spaß sich ungezwungen zu Bewegen und gleichzeitig im Miteinander zu tanzen. Am Abend gab es noch einen weiteren beachtlichen Genre-Wechsel zu verzeichnen. Jobst Kalesse knüpfte an der Tradition vom letzten Jahr an und lehrte den Gästen den lustigen Sirtaki, einen griechischen Folkloretanz. In diesem Jahr schaffte er es in 30min allen die Choreografie und das flexible Timing zu vermitteln. Für das kommende Jahr freuen wir uns schon auf die neuen zahlreichen Überraschungen und bedanken uns bei den Organisatoren, sowie allen die mitgeholfen haben.

/J. Weinbrecht

 

Herbst im Hof 2013

 

hieß es am Samstag den 21. September in der Parkstraße 28. Ein bunter Tag für die ganze Familie lud interessierte Gäste aus der umliegenden Nachbarschaft ein vorbeizukommen und sich von einem vielseitigen Programm überraschen zu lassen.

Kinder konnten Spiele im Hof ausprobieren, auf der Cajon ihre Trommelleidenschaft entdecken und während einer Führung chinesische Kungfu – Waffen kennenlernen. In einem Wettbewerb gab es die Möglichkeit für den besten eine Urkunde zu gewinnen. Erwachsene Gäste wetteiferten untereinander um den Ruf des beliebtesten hausgemachten Kuchens. Überraschend war für alle Besucher eine gemeinsame Qigong-Runde unter Leitung von Rüdiger Schramm, welche sich großer Beliebtheit erfreute. Ebenso stimulierte eine kleine Kungfu-Vorführung mit Schwert, Säbel und Partnerübungen viele Anwesende um miteinander ins Gespräch zu kommen. Am frühen Abend überraschten einige Swing-Tänzer vom 1. Boogie Woogie Club e. V. Nürnberg mit einer Schnupperstunde, um die neugierigen mit dem Charleston bekannt zu machen. Nach gemeinsamen Abendbrot war es wohl der Wein, welcher in einer plötzlichen Kettenreaktion, ausgehend von Herrn Kalesse, die letzten 12 Gästen zu griechischen Folkloretanz verleitete.

Die anfängliche Skepsis wich schnell und wandelte sich in eine Trance von der man sich einfach nicht mehr lösen wollte. Das Herbstfest findet jedes Jahr in der Parkstr. 28 statt. Die Initiatoren Rüdiger Schramm, Jobst Kalesse und Jens Weinbrecht unterrichten hier verschieden Bewegungskünste und werben so für diesen einzigartigen Standort in Nürnberg.

/ Jens Weinbrecht

 

Herbstcamp 2013

 

Internationales Chen Taijiquan Herbstcamp 2013

Vom 2. bis 6. Oktober 2013 begleitete uns ein schöner bunter Herbst durch die Trainingstage in Ravensburg an denen Besucher aus 8 Nationen teilgenommen haben. Für die kommenden Jahre wird man darüber nachdenken neben Deutsch und Englisch auch Spanisch als Unterrichtssprache in Erwägung zu ziehen. In diesem Jahr gab es zwei Kursleiterzertifikate die an Spanien verliehen wurden. Einer der Teilnehmer war mit 58 Jahren nach Deutschland gekommen ohne ein Wort Deutsch zu sprechen. Am Bodensee erwarb er sich Sprachkenntnisse und nahm in Friedrichshafen, so oft wie nur möglich, am Unterricht bei Dietmar Stubenbaum und Annemarie Leippert teil. Diese konsequente Art dem traditionellen Chen Taijiquan Respekt zu bekunden hat wohl auch die verblüfft welche bisher meinten besonders tiefgründige Studenten zu sein. Damit wird nun das traditionelle Chen Taijiquan auch in den Städten Huelva und Guadix ( Granada ) unterrichtet.

Die Bedingungen für das Herbstcamp waren in diesem Jahr ausgezeichnet, weil direkt am Trainingsort, im KJC Ravensburg, günstige Doppelzimmer mit Küchen und Gemeinschaftsraum zur Verfügung standen. Vormittags und nachmittags gab es je eine Trainingseinheit von 2,5h. In den Mittagspausen bildeten sich zwei Gruppen heraus, wovon die eine gemeinsam ein Indisches und die andere in ein chinesisches Restaurant besuchte.

Der Unterricht wurde zum einen in Routinen für alle gemeinsam abgehalten. Weiterhin gab es separate Unterrichtseinheiten für

1. Schwert,
2. Hellebarde,
3. Sizheng-Kurzform,
4. traditionelle Yi Lu,
5. Neijing & Jiben Gong,
6. Tuishou ( Partnerübungen ),
7. Chinesisch für Taiji praktizierende

. Bei jedem der die Schwert- oder Hellebarde-Form in ihrem Ablauf erlernte war die mentale Herausforderung über die Tage hinweg spürbar. Dennoch gab sich keiner die Blöße von seinen Ansprüchen abzuweichen. Für alle war klar damit ein solides Waffentraining eine hervorragende körperliche Stärkung mit sich bringt und dazu beiträgt die Verbundkraft Jin zu verbessern.

  

Eine interessante Trainingseinheit beschäftigte sich mit „Fang Song“ und intuitiver Präsenz, welche es dem Studenten abverlangt die Dinge auf sich zukommen zu lassen. Es geht darum nicht im Vorfeld schon mit Reaktionen auf vermeintliche Geschehnisse zu reagieren, sondern im Fluss sich auf die Natur von Wandlung im jetzt einzulassen und Teil dieser Wandlung selbst zu sein. Am Ende haben wir viele Anregungen und Korrekturen für unser eigenes Training mitnehmen können. In folgenden Workshops und Seminaren mit Dietmar Stubenbaum werden wir sehen wie weit wir in unsere Entwicklung vorangeschritten sind. Bis dahin bedanken wir uns bei den Organisatoren der ISCT-Deutschland, Dietmar Stubenbaum, Annemarie Leippert, sowie Kerstins Äpfel- und Getränke-Sponsoring, welche uns allen diese schönen, lehrreichen Tage ermöglicht haben.

/ Jens Weinbrecht

 

Bericht: Stubenbaum – Workshop, März 2013

 

Am 02. März 2013 war es wieder soweit, um in Nürnberg an unserer Workshop-Serie mit Dietmar Stubenbaum anzuknüpfen. Die Teilnehmer wiesen alle einen ähnlichen Kenntnisstand auf. Diesmal konnte jeder in der kleinen Gruppe von dem Luxus einer besonders ausgiebigen und individuellen Unterweisung profitieren. Zu Beginn wurde sich detailliert auf die Si Zheng – Form konzentriert, deren Aufgabe es ist den Körper durch große kreisförmige Bewegungen zu öffnen. Die Gelenke, der Oberkörper und die Hüftareale erhalten durch diese Form eine ausgezeichnete Stimulation. Nach einigen Übungen zur Verbesserung der Schrittarbeit hatte sich innerliche Ruhe eingefunden.

Daraufhin erklärte uns Herr Stubenbaum anhand der Position des „Buddha-Wächters“ das Prinzip der Ausdehnung durch sauber ausgerichtete Körpermechanik, gepaart mit Entspannung. Anhand einer Partnerübung nutzte jeder seine Möglichkeiten, um diese Gesetzmäßigkeiten praktisch zu studieren. Herrn Stubenbaums Kommentar dazu lautete:

„Seine Einheit auf den Punkt bringen“.

Theoretisch lässt sich diese Aufforderung nachvollziehen. Aus praktischer Sicht durften wir alle feststellen damit es für eine souveräne und sichere Umsetzung noch etwas mehr Übung bedarf. Wichtig waren jedoch die klar gestalteten Anweisungen dazu. So wissen wir später noch nach was wir eigentlich suchen, wie es sich anfühlt und was man für die kommende Zeit zu tun hat, um sich weiter zu entwickeln. Dieser Aspekt ist für jeden einer der wichtigsten Punkte, denn bei meinem privaten Training muss ich verstehen was ich tue damit ich nicht in einer langweiligen Choreografie hängen bleibe.

Wir bedanken uns bei Dietmar Stubenbaum für diesen ergiebigen Workshop und freuen uns auf den kommenden Event vom 7. bis 8. Dezember 2013 in Nürnberg.

/ Jens Weinbrecht

 

Bericht Herbstcamp 2012

 

Taiji – Herbstcamp 2012 vom 03. bis 07.10.2012 in Ravensburg:

In diesem Jahr kamen wieder zahlreiche Besucher aus ganz Europa nach Ravensburg gereist. Für den Veranstalter gab es die Aufgabe zu bewältigen für Einsteiger bis Fortgeschrittene Studenten eine geeignete Unterrichtsstrategie zu finden. In der Regel begann jeder Tag mit einem intensiven Basistraining für alle. Danach wurden zwei Schwerpunkt-Gruppen gebildet. Die Fortgeschritten beschäftigten sich intensiv mit dem Säbel-Formentraining und den dazugehörigen Partnerübungen. Diese wechselten sich mit Korrekturen in der Schwertform und der ersten langen Hand-Form „Yi Lu“ ab.

Für die Säbel-Partnerübungen nutzten wir schwarze Kunststoff-Simulatoren die man seit kurzen über diverse Onlineshops bekommen kann.
Sie haben ein akzeptables Eigengewicht, sind recht solide und splittern nicht bei stärkerer Kontaktaufnahme. Nicht so ideal erwies sich die Tendenz des Abfederns, der eingeschränkte Handschutz und natürlich auch das die Wahrnehmung nicht mit der von echtem Metall zu vergleichen ist. Dennoch erwies sich das Material als eine gute Alternative zu den handelsüblichen Holzsäbeln.

In der zweiten Gruppe wurde vorrangig der Ablauf der langen Form und der Schwertform erlernt. Vereinzelt kamen beide Gruppen wieder zusammen. In diesem Fall wurden theoretische Inhalte vermittelt die historische Vergleiche zwischen den Kampfkünsten in Europa und Asien darlegten. Dabei stellte sich heraus dass es gerade in der Waffenhandhabung zahlreiche Verwandtschaften gibt und diese vor allem nach ihrer zeitlichen Epoche differenziert werden müssen. Vielen Studenten wurde somit klar dass es beim Erlernen einer Form und der Beschaffenheit der Waffe einen Rückblick zur geschichtlichen Entstehung bedarf, um überhaupt zu verstehen was man eigentlich lernt. Im modernen, chinesischen Wushu ( sowie diversen Film-Klischees ) fällt auf damit sowohl die Schwerter oder Säbel in ihrer Beschaffenheit keine soliden Eigenschaften, verglichen zu der Zeit indem sie auch Kämpferisch genutzt wurden, aufweisen. Die Leichtigkeit dieser Gerätschaften wird fast immer wild aus dem Handgelenk herumgeschleudert. Authentische Waffen dieser Gattungen hingegen waren schwerer und mussten mit dem gesamten Körper bewegt werden. Man strebte eine echte Verbindung mit der gesamten Person an. Wird die Waffe mit dem strukturellen Verbund zum Körper geführt wirkt sich dies auch nachhaltiger auf die Gesundheit aus. Ist diese Erkenntnis angekommen versteht man dass es hier nicht um eine Performance gehen kann, sondern ebenfalls um eine Qualität der inneren Arbeit die jeder für sich selbst durchläuft.

Jeden Tag wurde für 2,5 Stunden vormittags und nachmittags trainiert. Eine Studentin sponserte für die Pausen zwei Kisten frische Bodensee-Äpfel, wofür wir ihr alle sehr Dankbar waren. Mittags genossen wir in diesen Tagen vorranging indische oder chinesische Kost. Am Samstag trafen sich alle in Weingarten zu einem gemeinsamen Abendessen, um sich auszutauschen und der wunderbaren spanischen Gitarrenmusik von Juan zu lauschen. Wie im letzten Jahr zeigte uns Juan noch einige rhythmische Handklopftechniken aus dem Flamenco am Tisch die es in sich hatten. Einige werden diese sicherlich als eine gute Handlockerungsübung für die Mittagspause im Büro mitgenommen haben.

Ab dem 4. Trainingstag spürt man dass der Körper sich nun ruhig und leichter anfühlt. Daher gab es am letzten Tag noch eine sehr Detail betonte Übungsroutine aus der Langen Form. Durch die sensiblere Wahrnehmung war es jetzt möglich einzelne Fassetten wie z. Bsp. Antrieb aus dem unteren Rücken oder richtige Gewichtung gefühlsmäßig in eine Einheit zusammen und geschlossen zu üben. So wurde jedem Bewusst was einen idealen Trainingszustand ausmacht. Mit dieser Erfahrung fuhren die meisten Teilnehmer wieder in ihre Heimat zurück. Für das kommende Jahr freuen wir uns auf ein baldiges Wiedersehen und bedanken uns für die intensiven Tage bei Dietmar Stubenbaum und Annemarie Leippert.

/ Jens Weinbrecht